Gesetzliche Regelung für E-Bikes


Sind Sie E-Bike Besitzer oder möchten Sie sich eines anschaffen, dann sollten Sie folgendes wissen:

Die Legislative tut sich mit der Klassifizierung von E-Bikes schwer. Ist ein E-Bike nun ein Velo, ein Töffli oder weder Fisch noch Vogel? Man hört viele widersprüchliche Behauptungen und Meinungen. Deshalb möchten wir hier klarstellen, dass es tatsächlich eine gesetzliche Regelung darüber gibt, als was ein E-Bike gilt und was man damit darf und was nicht. Doch eigentlich müssen wir uns nicht darüber wundern, dass die Regulierung des Lebens vor dem E-Bike nicht halt macht.

Aus der Sicht von Pro Velo ist ein E-Bike ein Velo mit Tretunterstützung, von der Definition her also nichts spektakuläres. Die Gesetzgebung macht gleich drei Unterscheidungen und stuft sie als Mofa, also als Motorfahrzeug ein, was freilich etwas bizarr ist, da man ja nicht ausschliesslich mit Motor fahren kann. Die Tretbewegung oder ein Gefälle braucht es allemal, wobei man bei Letzterem die Unterstützung ja nicht braucht und deshalb ohnehin ohne Motor fährt.

„Langsame“ E-Bikes mit einer Tretunterstützung bis 25km/h und einer Leistung bis zu 0,5kW gelten als sogenannte „Leicht-Mofas“ und werden versicherungstechnisch als Velo betrachtet. Deshalb benötigen sie eine Haftpflichtversicherung aber keine Zulassung durch das Strassenverkehrsamt. Wer aber mehr Leistung zur Verfügung hat wird eine gelbe Mofa-Zulassungsschild beantragen müssen. Bei einem Velotaxi ist sogar ein weisses Kennzeichen für Kleinmotorräder vorgeschrieben.

Anders ist die Auslegung beim Führerschein. Ein E-Bike der schwächeren Variante darf ohne Führerschein gefahren werden, ausser man ist noch keine 16, dann muss man ein Führerschein der Kategorie M besitzen. Unter 14jährige dürfen also überhaupt kein E-Bike fahren, da jüngere eine solche Prüfung gar nicht ablegen können. Den Führerschein Kategorie M kriegt man mit dem Fahrerlaubnis für das Auto ohnehin geschenkt, die braucht man aber auch, wenn man ein E-Bike mit starker Trethilfe fahren möchte.

Anders als bei einem gewöhnlichen Velo unterliegen schnellere E-Bikes, also solche mit einer Motorenleistung von 500 bis 1000 Watt, einer Helmtragepflicht. Und da wird es reichlich kompliziert, weil es sich um zwei verschiedene Gruppen von “Motorfahrrädern” handelt. Der geprüfte Velohelm ist Pflicht, wenn ein Elektrovelo zwar allein mit dem Motor weniger als 20 km/h schnell fährt, aber mit Tretunterstützung 25 km/h überschritten werden. Falls bereits allein mit Motorenleistung Geschwindigkeiten von 20 km/h erreicht werden, braucht es sogar einen Mofa-Helm. Doch sind wir ehrlich, wer ohne zu trampen vorwärts kommt, fährt auch kein Velo mehr.

Beim Fahren gibt es auch ein paar interessante Regelungen. So müssen sich auch die schnellen E-Bikes an die blauen Veloweg-Gebotstafeln halten. Hingegen dürfen sie im Fussgängerbereich oder dort, wo das Mofafahren verboten ist, nur mit ausgeschaltetem Motor fahren. Wahrscheinlich wegen den hohen Lärm- und Abgasemissionen - da wird der eingeschaltete Motor auch sicher jedem Polizisten auffallen.

Wer jetzt den Durchblick noch immer nicht hat: Hier eine grafische Übersicht, wo die schnellen E-Bikes mit Mofa-Kennzeichen fahren dürfen und wo nicht.



Velofahrende haben weit mehr Bedürfnisse als nur sicher fahren zu können. Wichtig sind auch abschliessbare und gedeckte Abstellmöglichkeiten, der Velo-Selbstverlad in Bussen und Zügen, Pumpstationen, Aufladestationen für E-Bikes, sinnvolle und ausreichende Wegweiser... die Liste lässt sich beliebig verlängern.


Pro Velo Thurgau setzt sich dafür ein, dass Velofahrende eine angemessene Infrastruktur erhalten, welche Ihren Bedürfnissen entspricht. Pro Velo arbeitet partnerschaftlich mit Behörden und Private zusammen um die Infrastruktur im Thurgau zu verbessern.Infrastruktur


Velofahrende haben weit mehr Bedürfnisse als nur sicher fahren zu können. Wichtig sind auch abschliessbare und gedeckte Abstellmöglichkeiten, der Velo-Selbstverlad in Bussen und Zügen, Pumpstationen, Aufladestationen für E-Bikes, sinnvolle und ausreichende Wegweiser... die Liste lässt sich beliebig verlängern.


Pro Velo Thurgau setzt sich dafür ein, dass Velofahrende eine angemessene Infrastruktur erhalten, welche Ihren Bedürfnissen entspricht. Pro Velo arbeitet partnerschaftlich mit Behörden und Private zusammen um die Infrastruktur im Thurgau zu verbessern.

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E-Bikes

In der Schweiz haben wir eine vergleichsweise liberale Gesetzgebung. In Deutschland dürfen die schnellen E-Bikes die Radwege nicht benutzen, in Österreich, Italien und Frankreich müssen die Fahrerinnen und Fahrer einen Integralhelm tragen. Wir empfehlen, sich vor Grenzübertritt über die jeweiligen Bestimmungen zu informieren. Widerhandlungen können teuer und mühsam werden, wie dieser TVO-Bericht (Mai 2016) aufzeigt:



Hier gibt es noch ein paar weitere Detailinformationen über E-Bikes und andere Gefährte mit E-Motor:

Prospekt Räder unter Strom des Strassenverkehrsamt Thurgau

Zu bemerken bleibt letztlich, dass ein E-Bike doch ein wenig anders ist als ein herkömmliches Velo, was vor allem am Gewicht liegt. Der Akku und all die stabilen Teile am Velo jagen das Gewicht auf rund 23 bis 25kg, was sich beim Bremsen bemerkbar macht. E-Bikes haben zufolge einen längeren Bremsweg. Es heisst auch, dass die Geschwindigkeiten von Automobilisten unterschätzt werden. Allerdings trifft man auch manch Velofahrer an, der ohne Trethilfe solche mit Unterstützung ziemlich locker abhängt. Auffällig oft handelt es sich bei Unfällen mit E-Bikes um Selbstunfälle, also Stürze ohne Dritteinwirkung. Eine Folge fehlender Routine und Überforderung im Umgang mit dem Gefährt. Wir empfehlen deshalb jedem mit wenig Fahrpraxis einen Fahrkurs zur Unfallvermeidung.

Text: Eddie Kessler, Pro Velo Thurgau